Homage an einen historischen Ort

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Wer würdigt schon etwas, was immer da ist, aber über das nicht geredet wird. Dabei ist es nahezu 5000 Jahre alt: Unser Klo. Stresemann meint, es ist mal an der Zeit diesem Örtchen die notwendige Ehrung zuteil werden zu lassen. Und Sie werden begreifen – Ihren nächsten Besuch eines gewissen Örtchens sollten Sie mit ganz anderen Augen sehen.

Das erste uns bekannte Klo befand sich um 2800 vor Christus im Palast des Königs Minos auf der Insel Kreta. Nach gefundenen Zeichnungen war es ein kleines Zimmer in der Größe von 1 mal 2 Metern, mit einem hölzernen Sitz und gipsverputzten Wänden. Der Clou war der schräge Fußboden, der ständig mit Wasser bespült wurde. Beim Zustand so mancher heutigen Toilettenfußböden wäre diese Erfindung bestimmt auch ganz wirkungsvoll. Das erste bekannte Massenklo befand sich im römischen Amphitheater. Bei 80.000 Stehplätzen und 20.000 Sitzplätzen war die Einrichtung einer Toilettenanlage auch dringend angebracht. So gab es einen Raum, in dem sich 25 Sitze im Kreis befanden, allerdings nicht nach Geschlechtern getrennt. Das fand sich erst in der römischen Kolonie Timad und war jeweils 8 Meter lang und hatte je 25 Sitze für Männer und Frauen.

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Natürlich hatten die alten Rittersleut auch ihr Klo. Weniger komfortabel als die alten Römer zwar, aber dennoch recht nützlich. In der Burg Birkenfels im Wasgau befand sich ein Abtritt in einem der Burgtürme. Er war in die Mauer eingebrochen und etwa 1 Meter 70 hoch und 1 Meter 35 breit. Benutzer mussten gebückt in diese Art Loch steigen. Bei Sturm und Nacht auf diesem Abtritt zu sitzen, muss besonders unangenehm gewesen sein, denn bis heute hat sich aus der Zeit das Wort „Donnerbalken“ überliefert. Die Burg Eltz an der Mosel hat übrigens 14 Aborterker, weil es sich seinerzeit empfahl, sein Geschäft direkt nahe der Wohnräume zu verrichten. Interessant war die Anordnung der Aborterker, denn die oberen saßen schräg über den unteren Erkern, damit man sich gegenseitig nicht besudelte. Das funktionierte allerdings nur, solange kein Südwind aufkam.

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Leonardo da Vinci skizzierte 1490 einen Klosettdeckel, der den Vorzu besaß sich zu drehen und nach Gebrauch heruntergeklappt werden sollte. Leider ist diese Skizze nie von ihm umgesetzt worden, dennoch gilt er als eigentlicher Erfinder unserer heutigen Toilettenbrille.

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Die Landbevölkerung, vor allem die Bauern, bevorzugten noch bis in das später 17. Jahrhundert die Natur für ihr Geschäft. Auch mit der Erfindung des Londoner Uhrmachermeisters Alexander Cummings änderte sich daran wenig. Er erfand das Wasserspülklosett, obwohl das Prinzip schon seit 230 vor Christus bekannt war. Eine letzte einschneidende Erfindung war das Wasserklosett der Madame Bidet, dass sie im Jahre 1823 zum Patent anmeldete, sich aber in Deutschland nicht durchgesetzt hat. Die heute benutzte Toilettenbürste beruht in ihrer Form übrigens auf eine der ersten EU-Normen aus dem Jahre 1958.

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Etwa 3566 Stunden seines Lebens verbringt ein Mensch auf dem Klo, was dazu führt das dieser Ort für vielerlei Zwecke benutzt wird. Hauptbeschäftigung ist das Zeitunglesen, die gebräuchlichste Lektüre ein Tageszeitung mit vier Buchstaben, bei den Damen sind es eher Modezeitschriften. Auf dem Klo wurden aber auch Reden geführt und Verträge unterschrieben. Na denn wünsche ich auch in Zukunft erfolgreiche Geschäfte.

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